×

Sie haben keine Artikel im Warenkorb.

 

Bauhaus 100: einrichten design auf großer Tour

 

P1060517 12000x418

Die Nacht war kurz, um einiges kürzer als sonst. Am 31. März machte sich ein vollbesetzter Bus in aller Herrgottsfrühe Richtung Dessau auf. Was die zeitlichen Gegebenheiten ein klein wenig erschwerte, war die Tatsache, dass just an diesem Wochenende die Zeit umgestellt wurde und zwar zum Nachteil für alle Vielschläfer. Aber echte Designfans sind harte Gesellen und so begaben wir uns – zugegebenermaßen mal mit mehr, mal mit weniger großen Augenringen – auf die 4,5-stündige Busfahrt mit dem Ziel: Dessau. Aber es hat sich gelohnt!

Das Bauhausgebäude: Es lebe das Understatement

Und dann standen wir endlich davor: dem Gebäude, das Design- und Architekturgeschichte geschrieben und Gebäude-0-P1060497-compressorden Weg in die Moderne geebnet hat. Eine rote, zweiflügelige Eingangstür sowie eine meterhohe Glasfassade nahmen uns in Empfang. Es ist immer anders, wenn man plötzlich leibhaftig vor etwas steht, das man bislang nur aus dem Fernsehen oder von Bildern her kannte. Das von Walter Gropius entworfene Schulgebäude wurde 1926 eröffnet. Nur das Modernste vom Modernen kam zum Einsatz: von Stahlbeton über kubische Formen bis Glas. Obwohl wir quasi „vom Fach“ sind, waren wir überrascht, wie farbenfroh die Bauhausarchitektur bisweilen war. Gerade in den Treppenhäusern herrschte eine regelrechte Farbenpracht, die Geländer waren zum Beispiel knallrot lackiert und an der Wand fanden sich gelbe Streifen. Die Farben sollten jedoch nicht nur das Auge erfreuen, sie dienten auch als Orientierungshilfe in den verschiedenen Stockwerken.

Gebäude-compressor

Warum die Heizkörper so hoch hängen? Normalerweise befanden sich auf dieser Wandhöhe repräsentative Kunstwerke. Und da das Bauhaus keine Lust auf solche Statussymbole hatte, hing man stattdessen einfach schnöde Heizkörper hin. Auf diese Idee muss man erstmal kommen! Das Technische sollte nicht mehr verschämt versteckt werden, sondern ins Sichtfeld rücken. Und es funktioniert ja auch: Man schaut hin, auch wenn man zugegeben muss, dass man es ein wenig befremdlich findet. Oder die martialisch anmutenden Kettenzüge samt ausladendem Drehrad, mit welchem sich die Fenster im Treppenhaus öffnen ließen – Maschinenästhetik par excellence.

Lichtgestalt: Marianne Brandt

Marianne Brandt, Schöpferin der weltberühmten Teekanne, war im Bauhaus für einen Teil der Heizung und Leuchte von Marianne BrandtIMG_5307Flurbeleuchtung zuständig. Die Kugelleuchten sehen zwar relativ normal aus, haben es aber buchstäblich in sich. Zum Wechseln der Leuchtmittel ließ sich die Fassung ganz einfach nach oben ziehen. Das war möglich, weil sich im Inneren der Glaskugel eine Metallkette befand, die sonst – auch im angeschalteten Zustand – unsichtbar war. Ein wahrer Geniestreich

Gute Nacht! Begabte Studenten durften auch auf ein Zimmer hoffen. Diese waren für damalige Verhältnisse recht luxuriös ausgestattet. Es gab Einbauschränke, einen Schreibtisch und ein Bett. Sogar Frischluftfanatiker kamen auf ihre Kosten: Es gab einen Minibalkon.

 

Das Direktorenzimmer

Im Direktorenzimmer lernten wir, dass auch die Art der Lehrer-Schüler-Beziehung innovativ war. Statt wie sonst vor einem einschüchternden Pult saß der Schüler seitlich zum Arbeitstisch auf einem komfortablen Sessel, was eine neue Art der Kommunikation ermöglichte. Imposant war für damalige Verhältnisse höchstens das Nichtvorhandensein von Statussymbolen. Alles war schlicht und funktional gehalten. Gut, der Geruch, der in der Luft lag, war es leider nicht. Es roch ziemlich muffig, geradeso, als hätte man seit dem Ende der Bauhaus-Ära nicht mehr gelüftet. Es lag am Bodenbelag, einer Art Linoleum, der auch nach 100 Jahren noch das nasale Empfinden störte. Das muss man erstmal schaffen!

Die Meisterhäuser: weiße Kuben

Die Meisterhäuser wurden ebenfalls von Walter Gropius entworfen. In diesen wohnten und arbeiteten die „Meister“ der Bauhausschule, wie zum Beispiel die berühmten Maler Wassily Kandinsky oder Paul Klee. Leider waren einige von Baugerüsten verhüllt, die Renovierungsarbeiten waren noch in vollem Gange. Doch in ein paar konnten wir dennoch Meisterhäuser 0IMG_5316reingehen. Die Quadratmeterzahl sah man den Häusern gar nicht an, diese waren sehr verwinkelt. Die Doppelhäuser stehen inmitten eines kleinen Kieferwäldchens an der Ebertallee. Steht man davor, hat man einen gewissen „Aha“-Effekt. Solche Häuser stehen mittlerweile in der ganzen Welt. Eigentlich sollten die Häuser nach dem Baukastenprinzip entstehen mit vorgefertigten Teilen. Klappte damals aber nur teilweise.

Meisterhäuser (3)

Meisterhäuser (5) Meisterhäuser

 

 

 

 

Nach der Besichtigung der weiß getünchten Meisterhäuser ging’s erstmal in den Museumsshop, um ein Arsenal an Buttons, Plakaten und sonstigen Bauhaus-Souvenirs zu kaufen. Und danach ging’s erstmal ans Eingemachte, sprich, ans Essen.

Törten-Siedlung

Frisch gestärkt, nach einem kurzen Abstecher beim Arbeitsamt, machten wir uns auf den Weg zur Törten-Siedlung. Die Wohnhäuser sollten relativ autark sein. Deshalb gab es zu jedem Haus einen Garten, wo sich wunderbar Gemüse anbauen ließ und für ein paar Hühner war auch noch Platz. Für heutige Maßstäbe waren die Häuser klein, klitzeklein. Zur Auswahl standen drei Haustypen: das kleinste kam auf 57 Quadratmeter, das größte auf 74 und das mittlere auf 70 Quadratmeter.

Laubengang1Innerhalb der Siedlung kreuzten wir noch ein Laubenganghaus, das mit seiner Backsteinoptik an englische oder französische Häuser erinnerte. Die Wohnungen waren mit einem Laubengang miteinander verbunden. Generell war die Törten-Siedlung der Versuch, zwei Bevölkerungsschichten miteinander zu vermischen: Kleinbürger in (...) Einfamilienhäuser(n) mit Kleingarten“ und „Proletarier in dreigeschossigen Laubenganghäusern“.

 

Vollgefüttert mit allerhand Informationen, ging’s wieder in den Bus. Unser Kopf war zwar vollgefüttert, der Magen aber umso leerer, deshalb machten wir erst einmal einen Zwischenstopp in einer Gastwirtschaft. Um halb 11 am Abend waren wir wieder in Würzburg. Wir hatten einen Tag voller interessanter Eindrücke hinter uns und haben das Gefühl, das Thema Bauhaus jetzt ein wenig besser zu verstehen und sehen Designklassiker wie die Teekanne von Marianne Brandt, die B9 Satztische von Marcel Breuer und den Wassily Chair in einem anderen Licht.

Sind wir nicht alle ein wenig Bauhaus?

In unserem Shop gibt’s die volle Ladung Bauhaus. Und auch das Gebäude, in dem sich einrichten design befindet, ist ein Paradebeispiel für die Bauhausarchitektur.

Vom 29. April bis zum 30. September feiern wir 100 Jahre Bauhaus mit einer Sonderausstellung in unserem Showroom (Edith-Stein-Straße 3 in Würzburg). Wir sehen uns!

Hinterlasse eine Antwort